Vorschau: Vis à vis

Ike Vogt   Harald Hilscher

Johannes Buchholz  "also zeichne ich"

Sonntag 6. April   bis 1.Juni 2025

 

 

 

 

 

 

Johannes Buchholz „also zeichne ich“

 

So lädt die neue Ausstellung im Schauraum Wachszinshaus Interessierte zur Vernissage am Sonntag dem 6.4. auf den Kirchplatz ein.

 

Zeichnen ist im wahrsten Sinne des Wortes für Johannes Buchholz existenziell, ich zeichne, also bin ich. Ausgestattet mit einem Rucksack, darin Zeichenblock, Bleistifte, Wasserflasche und Regenschirm, durchstreift der in Essen geborene Künstler sein Berliner Viertel und die umliegende Natur, wie einst van Gogh auch draußen mit seinen Leinwänden unterwegs war. Vor Ort auf den Straßen und Plätzen in seiner neuen Heimat Berlin und in der Natur lässt er die Umwelt auf sich wirken, nimmt sie sensibel wahr und sammelt innerlich seine Eindrücke. Er ist weit davon entfernt, die Realität exakt wiederzugeben, schließlich ist er kein Fotograf. Es entsteht auf seinen Blättern eher eine Poesie der Flüchtigkeit. Möglicherweise sieht der Künstler Johannes Buchholz die Natur und alles um sich herum genau wie andere Menschen auch, die Zeichnungen aber, in spontanem Gestus entstanden, sehen ganz anders aus, sie haben eine andere Wirklichkeit. Die Augen können zwar alles ringsherum erfassen, die schier unendliche Bewegtheit und die Vielfalt der Eindrücke, die ständigen Veränderungen der Blickwinkel, die Augen registrieren das genau, aber die Hand des Zeichners ist langsamer. Johannes Buchholz hat eine Lösung gefunden mit diesem Widerspruch umzugehen, er benutzt Kürzel und Zeichen, mit denen er komponiert und eine Partitur erstellt wie in der Musik. Er zeichnet schnell und spontan auf, was sich seinem Auge bietet und so lesen sich seine Zeichnungen eher wie free Jazz statt Bach, eher Windhauch in den Bäumen statt monotoner Geräusche des Autoverkehrs. Die Zeichnungen haben Rhythmus und Bewegtheit aber auch Freiflächen zum Entspannen, wie Pausen in der Musik. In der Gesamtheit sind sie eher lyrisch poetisch, als laut und dramatisch.

 

Die Blätter lassen vieles offen beim Betrachter, vieles bleibt in der Schwebe. Aber auch Wohlbekanntes springt uns ins Auge: Straßenzüge, Wohnblocks, Plätze, Gärten und Natur, Linien die den Himmel über Berlin andeuten. Wer schon einmal abseits der touristischen Zentren durch Berlin gestreift ist, findet diese Atmosphäre in den Zeichnungen wieder. So frei und großzügig die Darstellung auch ist, manch einer meint sich an einen Ort oder eine bestimmte Stelle erinnern zu können, schon einmal dagewesen zu sein. Sie können Johannes Buchholz danach befragen oder überhaupt über seine Kunst im Schauraum mit ihm sprechen. Er freut sich darauf.

 

 

 

Johannes Buchholz ist in 1961 Essen geboren und im Ruhrgebiet aufgewachsen.

 

Von 1986 – 1992 studierte er an der Hochschule der Künste in Berlin

 

und ab 1996 Kunstgeschichte an der FU Berlin und in Freiburg.

 

Seit 2004 lebt er wieder in Berlin und hat dort sein Atelier in den BLO-Ateliers in B-Lichtenberg. In seine alte Heimat Ruhrgebiet kehrt er aber regelmäßig zurück, denn er unterrichtet auch als künstlerischer Mitarbeiter an der Uni Essen-Duisburg in Essen in der Kunstlehrer-Ausbildung.

 

Johannes Buchholz erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien und stellt seit Jahren regelmäßig seine Arbeiten aus.

 

 

 

Ausstellungseröffnung:

 

Sonntag, 6. April 2025 um 11 Uhr

 

Einführung : Matthias Plenkmann

 

 

 

Finissage zum Altstadtfest:

 

Sonntag, 1. Juni 2025, 14 – 18 Uhr

 

 

 

 

 

 

Heimat

eine Licht-Installation von Annette Schulze Lohoff

Heimat

 

 

 

eine Licht - Installation von

 

Annette Schulze Lohoff

 

 Die Heimat ist im Schauraum Wachszinshaus eingezogen aber eine feste Bleibe hat sie nicht. Die Lichtinstallation „Heimat ist kein Ort“ entstand 2004 für die Abstichhalle im Industriemuseum Henrichshütte in Hattingen, danach war sie in Wuppertal in einer ehemaligen Fabrikhalle am Huppertsberg. Zur offiziellen Einweihung des Bürgerzentrums Holschentor in Hattingen zog sie für viele Jahre in das internationale Frauencafé, bis sie auch dort nicht bleiben konnte.

 

Nun strahlt die Heimat auf den St. Georgkirchplatz hinaus.

 

Könnte Herbert Grönemeyer einmal sein Lied Heimat dort singen:

 

 

Herbert Grönemeyer :

 

Heimat

 

 1999

 

 Wir grübeln leicht, wir tun uns schwer.

 

Wir warten auf den Schnee.

 

Wir haben nicht einfach einen guten Tag,

 

dafür sind wir zu zäh.

 

 

 

Ich bin nur ein Königskind,

 

das andere ist mir fremd.

 

Wir sind auf beiden Lippen blind.

 

wir trauen uns nicht aus dem Hemd.

 

Zwei Sprachenland, entfernt verwandt.

 

An verschiedene Ufer gespült.

 

Zum gemeinsamen gelingen verdammt.

 

Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl.

 

 

 

Geführt von geklonten Patrioten,

 

im nationalen Krampf.

 

Kandidaten im Doppelpack

 

blonde Gattinnen grinsen zum Tanz.

 

Die Lage verfahren, das Schiff fast versenkt.

 

Die Band spielt, „Oh wie ist das schön.“

 

 

 

Ablenkungsmanöver werden durchgeführt,

 

die im Dunkeln sind werden übersehen.

 

Das obere Deck feiert sich ohne Not,

 

gesichert durch Kontrolle total.

 

Der Lauschangriff läuft, Spitzelprämien gezahlt.

 

Für die im Unterdeck gibt’s kein Rettungsboot.

 

 

 

Bevor der letzte Tango steigt,

 

wer wagt den ersten Anfang.

 

Kohlpop pur hat ausgegeigt,

 

Wer zieht zuerst am gleichen Strang,

 

wer glaubt an die gleiche Idee,

 

wer lebt den halben Traum zum Ziel,

 

wer traut sich zuerst übern See?

 

Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl.

 

Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl.

 

 

Mittendrin

 

 

In Hattingen ist Herbstmarkt und Panhasfest. Die Menschen strömen von weit her um einen sonnigen Herbstnachmittag zu genießen. Mittendrin am St. Georgskirchplatz liegt die Galerie Schauraum Wachszinshaus. Hier zeigt aktuell Peter Nyman seine Malerei unter dem Titel: Mittendrin. Peter Nyman malt Menschen. So wie sie einem begegnen könnten. Sie schauen aus der Galerie heraus, fügen sich ein in die Menschengruppen, die davor stehen, wie sie reden, sich hetzen, gestikulieren, essen in die Luft schauen. Peter Nymans Malerei ist ihnen sehr nahe, es geht nicht um herausgeputzte Schönheiten, Instagram-Faces. Diese Menschen haben Seele , die davor und die Gemalten. Sie nehmen Teil an der Welt, haben Sehnsüchte, Gelüste, Freude und Kummer, eine Umwelt und den Krieg und eine Meinung.

 

In großzügigen gekonnten Pinselstrichen, meist farbenstark setzt Peter Nyman seine Gestalten auf die Leinwand und in Szene. Seine Figuren sind Hingucker, ausdrucksstarke Charaktere. Peter Nyman weiß etwas von den Menschen, das sieht man!

 

 

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