FOTOPROJEKT – EIN DORF IN DER STADT  

Eröffnung 9. April 2017


Der Fotograf Heinz-Eberhard Boden „Ein Dorf in der Stadt“

Hattingen- Früher gab es am St. Georgskirchplatz noch den Bäcker und den Fleischer und das Radiogeschäft. Und heute gibt es noch Menschen, die einem all das erzählen können, wie es früher einmal war. Wenn man sie fragt, die Alteingesessenen, die eine oder andere schon 90 Jahre alt und auch darüber, und auch die neu Hinzugekommenen, dann erzählen sie von ihrem Kirchplatz. Nur fragen muss man, sich interessieren für das, was einmal war und das, was heute ist. Mit den Jahren ist eine bunt gewachsene Gemeinschaft unterschiedlicher Menschen und Nationalitäten entstanden. So gab es viele Geschichten, die Heinz-Eberhard Boden, der bekannte Fotograf aus Remscheid und die beiden Inhaber des Schauraums im Wachszinshaus, Peter Nyman und Annette Schulze Lohoff zu hören bekamen. Es ist ein Schlaglicht auf ein Stück Hattinger Leben, auf eine menschlich und historisch einmalige Situation an einem besonderem Ort, eben ein Dorf in der Stadt. Es hätte auch ein Buch werden können.


Zur Eröffnung tanzt Irmela Boden unter freiem Himmel ein Stück Kirchplatz-Leben

Wir am Kirchplatz

Die Idee zu diesem Fotoprojekt “Wir am Kirchplatz“ entstand mit der Zeit. Wer mit wachen Augen den Kirchplatz betrachtet, sieht die unsichtbaren Fäden zwischen den Menschen, die dort leben. Es gibt noch Bänke vor den Häusern. Da sitzt eine ältere Dame in der Nachmittagssonne vor der Haustüre, andere kommen und gehen eiligen Schritts, ein Schwätzchen hier und dort, eine Zigarette auf dem Treppenabsatz, in der Frühe eine chinesische Dame in traditioneller Kleidung, die ihre Qigong Übungen macht. Ihre mitgebrachte Musik klingt über den noch verschlafenen Kirchplatz. Nachmittags und abends wird es dann lauter und bunter. Die Straßenmusikanten kommen und die Touristen. Die Lokale füllen sich. Der Kirchplatz lebt. Hier wird gearbeitet, gegessen, getrunken, gefeiert, gebetet, geheiratet und auch gestorben. Die Menschen, die von all dem erzählen können, wurden von Heinz-Eberhard Boden portraitiert. Seine ausdrucksstarken Schwarz-weiß Fotos können ab dem 9.04.2017 im Schauraum Wachszinshaus betrachtet werden. Unter dem Motto des Fotografen, den Zauber im Gesicht des anderen zu suchen, ist eine spannende und sensible Ausstellung entstanden. Es haben sehr Viele mitgemacht.

Neben den Gesichtern gibt es auch die Hände der Menschen zu sehen, getrennt voneinander laden sie zum Ratespiel, welche Hand wohl zu welchem Gesicht gehört.

Zur Eröffnung tanzt Irmela Boden, die in Remscheid eine eigene Tanztheatergruppe führt. In ihrem Tanz unter freiem Himmel zeigt sie das Leben am Kirchplatz.

Ausstellungseröffnung:

Schauraum Wachszinshaus – Sonntag, den 9. April – 11 Uhr, Kirchplatz 14 – 45525 Hattingen

Mehr Infos: Schauraum Wachszinshaus

 

Annette Schulze Lohoff     Peter Nyman

Invasion    fallopia    japonica

Knöterich-Invasion im Wachszinshaus , eine Installation.          Finissage am 30. September 11Uhr

 

Neue Ausstellung von Annette Schulze Lohoff und Peter Nyman, Hattingen

Eine Rauminstallation mit lokalem Bezug

 

Ein ungehinderter Eintritt ist kaum möglich, geschweige denn,  sich im Raum frei umzusehen. Man wird an den Rand gedrängt, muss den Kopf einziehen oder sich klein machen.  In Augenhöhe schaut man ins Geäst, man könnte darunter her kriechen, aber wer will das schon?  Der japanische Knöterich hat den Schauraum erobert, nicht ganz ohne Hilfe, wie an der Ruhr, an vielen Srraßen und bis in die Hattinger Innenstadt. Die  Rauminstallation: Fallopia japonica Invasion der beiden Galerieinhaber Peter Nyman und Annette Schulze Lohoff  ist eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Neophyten, der sich nicht nur in Hattingen breit gemacht hat. Seine bis zu vier Meter hohen Stauden mit ihren herzförmigen Blättern gelten als problematische , unerwünschte, invasive Pflanzen.

Ursprünglich im 19. Jahrhundert als Zier- und Nutzpflanze eingeführt, stellte man fest, durch Gartenzäune war sie nicht aufzuhalten, den Rehen schmeckte die Pflanze nicht und so breitete sie sich mit ihren langen kriechenden Sprossen unaufhörlich aus und verdrängt viele heimische Arten. Man könnte denken, bei  der Kunstinstallation Fallopia japonika Invasion handle es sich um ein Werk mit politischem Bezug  wie dem Schutz der heimischen  Pflanzen oder wie man mit fremden Eingewanderten umgeht, deren positive Seiten man nicht kennt. Die hat nämlich der japanische Knöterich, so der deutsche Name von Fallopia japonica, der inzwischen sehr unerwünschten Pflanze sehr wohl. Seine jungen Triebe schmecken wie Rhabarber und im zeitigen Frühjahr gepflückt, lassen sie sich wie Spargel zubereiten. In Japan ist sie eine wichtige Heilpflanze, aus der Wurzel wird eine Tinktur hergestellt, die Blutdruck und Cholesterin senken soll und aus den Stängeln macht man Flöten .

Im Fenster des Schauraums biegen sich in einem großen Schwung über drei Meter lange Knöterichstängel, die den Blick ins Innere des Raumes ziehen. Sie machen deutlich, dass es hier vor allem um Kunst geht. Dass ein Raum erlebbar und wandelbar ist. Das ursprüngliche Ladenlokal im denkmalgeschützen Haus Nr. 14 am Sankt Georgkirchplatz hat sich in den letzten zwei Jahren bescheiden zurückgehalten,  Bildern und Skulpturen sein leeres Inneres zur Verfügung gestellt um sie wirken zu lassen und Menschen zu erfreuen. Selbst Musik und Filmvorführungen gab es dort und es zeigte sich die wunderbare Akustik des Raumes. Nun ist er voll und gefühlt viel kleiner geworden. Das Geäst von Fallopia japonika, erst grün, nun zunehmend ins Rostrote übergehend bildet ein struppiges, widerspenstiges Stück Natur, irgendwie gebändigt und in tagelanger Arbeit im Raum in Form gebracht. Das organisch wie graphisch anmutende Objekt wird zu einem Gegenüber das die Ausdehnung des eigenen Körpers erlebbar macht. Man muss sich klein machen, sich zurücknehmen, will man es nicht zerstören. Immer neue Blickwinkel ergeben sich wenn man das Knöterichgespinst mit dem Rücken zur Wand umrundet. Die Strukturen weiten oder verdichten sich, bilden Nischen, in die man eindringen kann, verstellen den Blick oder lassen durchblicken. Das Wichtigste ist jedoch, dass dieses raumfüllende Wesen scheinbar aus eigener Kraft schwebt, aufgehobene Schwerkraft. 

Läge man darunter und schaute nach oben, so hätte man in etwa den Eindruck, den die beiden Hattinger Künstler beim Bergen des Ausgangsmaterials an den Straßenrändern im Umland und an den Ufern der Ruhr hatten. Mitten im japanischen Knöterich, der sie um Meter überragte , bewaffnet mit Säge und Astschere sammelten sie den ganzen heißen Sommer durch Falloptia japonika Pflanzen.  Für den Aufbau der Ausstellung wurden Unmengen zum Kirchplatz transportiert  und besetzten buchstäblich den ganzen Raum.

An eine Eröffnung war nicht zu denken. Wo sollten die Menschen hin? Nun wird zur Finissage am 30.September um 11.00 Uhr ins Wachszinshaus eingeladen.

Tati Strombach-Becher    bis 12.1.2019         "Zwischen Niewieder und Immerwieder das Glück"